Für eine vielfältige Schweizer Medienlandschaft
Pour un paysage médiatique suisse diversifié

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Klumpenrisiko Leutschenbach

Es war an einem Sonntag im August 2008. Hunderttausende TV ZuschauerInnen verfolgten die Olympia-Abschlussfeier oder das Formel-1-Rennen, als sie plötzlich nur noch Bildrauschen sahen. Grund für die Panne war ein Kurzschluss im Strom-Unterwerk Aubrugg. Die Panne dauerte mehr als eine Stunde, und auch das überforderte Notstromaggregat funktionierte nicht. Grund für die unfreiwillige Sendepause war ein vorwitziges Eichhörnchen, das zwischen zwei Isolatoren geraten war. Betroffen waren auch die TV-Sender der Romandie und der italienischsprachigen Schweiz, weil die entsprechenden Signale über Zürich liefen. Das Radiostudio in Bern funktionierte derweil perfekt, weil es eben nicht in Zürich war.

Das TV-Studio Leutschenbach steht an einem Ort, an dem keine Nation der Welt ein Atomkraftwerk oder ein anderes sicherheitsrelevantes Gebäude hinstellen würde. Es liegt nämlich praktisch in der verlängerten Pistenachse 16 des Flughafens Kloten. Stürzt ein Flugzeug nach dem Start ab, ist das Risiko erheblich, dass das SRG-Areal getroffen würde. Seit 9/11 oder der Concorde-Katastrophe von Paris, wo im Jahr 2000 kurz nach dem Start eine vollbetankte Maschine brennend in ein Hotel stürzte, gehören auch solche Szenarien zu einer umsichtigen Risikoabschätzung. Denn wer würde über einen ähnlichen Absturz in Leutschenbach berichten? Das zentralisierte SRF sicher nicht, denn die Radio, Online- und Fernsehjournalisten wären – im besten Fall – mit Löschen beschäftigt.

Ein wesentlich wahrscheinlicheres Ereignis, das sich regelmässig ereignet, sind Zugausfälle, etwa wegen Fahrleitungs- oder Stellwerkstörungen. Wer präsentiert künftig die Informationen in „Rendez-vous“ und „Echo der Zeit“, wenn das aus Bern pendelnde Team seit mehreren Stunden irgendwo im Mittelland feststeckt? Es wird erwartet, dass Dutzende von Berner Radiojournalistinnen und Radiojournalisten täglich an den Leutschenbach pendeln und dort pünktlich ihre Sendungen vorbereiten und präsentieren – aber Szenarien, wie dies bei einem grösseren Verkehrszusammenbruch sichergestellt werden kann, gibt es keine.
Die SRG hat die gesetzliche Pflicht, über Radio die Bevölkerung in Krisensituationen zu informieren. In der SRG-Konzession in Artikel 24 steht: „Die SRG trifft die notwendigen organisatorischen und technischen Massnahmen, um die Pflicht zur Veranstaltung und Verbreitung von Radioprogrammen so weit als möglich auch in Krisensituationen erfüllen zu können.“

Da in Bern keine Redaktion vorhanden ist mit 24-Stunden-Präsenz, kann SRF die Informationsleistungen in bestimmten Krisensituationen möglicherweise nicht mehr genügend gewährleisten.

(Quelle: Eichhörnchen legt SF lahm))
https://www.20min.ch/schweiz/zuerich/story/Eichhoernchen-legt-Schweizer-Fernsehen-lahm-20788065
Konzession
https://www.bakom.admin.ch/bakom/de/home/elektronische-medien/informationen-ueber-radio-und-fernsehveranstalter/srg-ssr/konzessionierung-und-technik-srg-ssr.html

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