Für eine vielfältige Schweizer Medienlandschaft
Pour un paysage médiatique suisse diversifié

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Radionachrichten ziehen weg vom «Echo der Zeit» hin zu «Glanz und Gloria»

Das Trauerspiel um das Radiostudio Bern geht weiter: Es wird zu mindestens der Hälfte geleert, bis spätestens 2021. Rund 70 Journalistinnen und Journalisten sollen das Radiostudio Bern in Richtung Zürich-Leutschenbach verlassen, wie viele weitere Mitarbeiter ist noch unklar. Die gesamte SRF4-Redaktion, welche 24 Stunden pro Tag schnörkellose Information bietet, sowie die gesamte Nachrichten­redaktion arbeiten künftig in Zürich-Leutschenbach. Die Radiojournalisten werden nun in der Fernsehfabrik, näher an «Glanz und Gloria», angesiedelt.

Damit werden die in der Bundesstadt verbleibenden Sende- und Fachredaktionen
(«Rendezvous», «Echo der Zeit», «Info 3», Ausland, Wirtschaft, Inland) vom Austausch mit den Newsfachleuten abgeschnitten – es sei denn, man baue zusätzliche holprige Schnittstellen auf, die man mit der beschlossenen Zentralisierung angeblich verringern wollte und die man sich beim aktuellen Spardruck auch nicht leisten kann.

Digitale Weiterentwicklungen würden künftig ausschliesslich in Zürich betrieben, liess Chefredaktorin Lis Borner das Personal bereits früher wissen. Das bedeutet ein Sterben des Studiostandorts Bern auf Raten.

Zudem werden im Studio Bern auf das kommende Jahr rund 7 Stellen gestrichen – ein Jahr später sollen es weitere sein. Dies schwächt die zentralen Service-Public-Leistungen von Radio SRF und entspricht nicht dem, was dem Schweizer Volk im «No-Billag»-Abstimmungskampf vom Frühling 2018 versprochen wurde. Noch vor einem Jahr, als Kritik an den Verlegungsplänen der SRG laut wurde, versprach SRG-Generaldirektor Gilles Marchand der Politik, den Standort Bern mit einer zentralen Rechercheredaktion von 12 bis 15 Leuten zu stärken. Das entpuppt sich ein Jahr später als plumpe Propaganda: Effektiv wird nun im Herz der Radioinformation abgebaut.

Näher ans Studio Bern rückt hingegen der frühere Kurzwellensender Schweizer Radio International, das heutige Swissinfo. Die Journalisten der 10-sprachigen Onlineplattform für die Auslandschweizer und das Ausland zügeln in die freiwerdenden Räume im Studio Bern.

Für Pro Idée Suisse ist es unhaltbar, dass die Zukunft des Standortes Bern abgeschnitten wird. Da hält die SRG ihre Versprechen an die Politik nicht ein. Zudem bleibt die Medienvielfalt innerhalb der SRG nicht gewahrt und es droht ein medienpolitisch unhaltbarer Einheitsbrei aus dem Zürcher Leutschenbach.

Dass SRF-Direktorin Nathalie Wappler ihr Personal ausgerechnet am Tag der Bundesratswahl informieren wollte – nach den eidgenössischen Wahlen zweifellos am journalistisch wichtigsten Tag des Jahres – zeigt, wie weit entfernt die Führungsetage vom Alltag ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist.

Die Informationspolitik der SRG ist ungenügend

Ein Service Public-Unternehmen, das notabene die Bevölkerung mit Zwangsgebühren zum grössten Teil finanziert, müsste transparenter, schneller und klarer informieren. Die gewählte Tröpfchen-Information ist üble Salamitaktik und eines Service Public-Unternehmens unwürdig. Unglaubwürdig ist die SRG-Spitze auch, weil sie nicht transparent und nachvollziehbar darüber informiert, welche Einsparungen die Zügel-Aktion bringt.

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